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Aktuell

 

Vorstellung des Schweizer Wyandotten-Züchterklubs

Anlässlich des Richter-WK vom 24. April 2010

in der Kleintieranlage Sursee

Geschätzter Präsident, werte Richterkolleginnen und Kollegen

Da über viele Jahre Stillstand um die Zucht der Wyandotten herrschte resp. mehr oder weniger nichts mehr getan wurde, erstellte nach reger Nachfrage von Seiten vieler Wyandotten-Züchter Erwin Böhlen eine Interessentenliste. So stand dies im ersten Protokoll vor der Neugründung 1979.

Da mehr als dreissig Wyandötteler wieder einen Spezial-Klub befürworteten, organisierte der Initiator Erwin Böhlen eine Gründungsversammlung.

Der 1. Schweizer Wyandotten Klub SGV wurde am 29. März 1911 gegründet und würde nächstes Jahr 100 Jahre alt.

Da aber über viele Jahre vom damals gegründeten und noch auf dem Papier bestehenden SGV Wyandotten Klub nichts mehr gelesen und geschrieben wurde, wurde am 6. Oktober 1979 von 23 anwesenden Züchtern im Restaurant Kreuz in Dürrenroth der heutige Schweizerischen Wyandotten-Züchterklub BSRG, neu nun unter dem Namen Rassegeflügel Schweiz, gegründet.

Gemäss Gründungsprotokoll haben sich nebst den anwesenden 17 Männern und 5 Frauen noch zusätzlich 12 Züchter entschuldigt.

Vier Gründungsmitglieder sind heute noch aktive Wyandotten-Züchter.

Die Delegierten der damaligen Verbände SOG und BSRG, Theo Widmer und Albert Ruf, überbrachten die Grüsse des Vorstandes zur Neugründung.

Als erster Präsident wurde Hansueli Wegmüller aus Münsingen für drei Jahre gewählt. Der erste Jahresbeitrag wurde mit Fr. 20.00 festgelegt.

Schon an der ersten GV wurde eine Tierbesprechung durchgeführt, was heute noch an der Herbstversammlung Tradition ist.

Die grossen Wyandotten wurden als Nutzrasse vorgestellt, die Zwerge als Liebhaberrasse.

Schon ein halbes Jahr nach der Neugründung wuchs der Klub auf 45 Mitglieder an.

Ich darf mit Freude festhalten, dass unser nicht mehr amtierende Richter Ernst Friedli als Gründungsmitglied und Willy Sommer, der 1980 dem Klub beitrat, damals schon ausgezeichnete Könner waren und als Richter von Wyandotten in Erwägung gezogen wurden.

Gemäss dem ersten Jahresbericht des Präsidenten war als erstes Gebot darauf zu achten, dass nach dem damaligen Standard gezüchtet wurde.

An der GV vom 16. März 1984 trat Hansueli Wegmüller als Präsident zurück. Hugo Wirz wurde als neuer Präsident gewählt.

1990 organisierte Jörg Röthenmund, der noch auf dem Papier existierende letzte Präsident des alten Wyandotten Klubs SGV, eine Sitzung, um einen Zusammenschluss des alten und neuen Wyandottenklubs zu besprechen, weil auch gleichzeitig der Zusammenschluss BSRG-SGV in einen Einheitsverband SRGV bevorstand.

An der Generalversammlung vom 1. Februar 1990 wurde dann der Zusammenschluss beider Klubs besiegelt, dies unter grossem Engagement von Hugo Wirz, dem damaligen Präsidenten BSRG, Maurice Froidevaux und Jörg Röthenmund als Mitglied des noch bestehenden alten Wyandotten Klubs SGV.

Ab dem Jahr 1990 gab es nur noch einen Schweizerischen Wyandotten-Züchterklub.

Im Jahr 2000 trat Hugo Wirz zurück. Ab dann fiel mir die Ehre zu, diesen grossen Klub zu präsidieren.

Anschliessend wuchs unser Klub konstant, und heute zählen wir 97 Klubmitglieder.

Heute betreuen wir von den 18 im Rassegeflügel Standard aufgeführten Farbenschlägen der grossen Wyandotten deren 6 und von den 27 anerkannten Farbenschlägen der Zwerg-Wyandotten deren 21.

Ich hoffe, dass ich euch mit meinen Ausführungen unserem Klub etwas näher gebracht habe.

Ich hoffe ebenfalls, dass der eine oder andere Richter sich vielleicht in Zukunft entschliessen kann, sich mit irgend einem Farbenschlag dieser sehr schönen, aber nicht unbedingt leicht zu züchtenden Rasse versuchen wird.

Herzlichen Dank für eure Aufmerksamkeit.

Sursee, 24. April 2010, Anton Meier Klubpräsident

 

 


Die Wyandotten und Zwergwyandotten am Geflügel Richter WK vom 24. April in der Kleintieranlage Sursee.

Anlässlich des diesjährigen Geflügel-Richter WK viel mir die Ehre zu, die richtige Interpretation und Umsetzung des Europa-Standard meinen Richter Kolleginnen und Kollegen zu unterbreiten.
        Zur Auswahl standen bei den Grossen die 5 Farbenschläge Weiss-Schwarzcolumbia, Rebhuhnfarbig-Gebändert, Gold-Schwarzgesäumt und Schwarz.

Bei den Zwergen die 13 Farbenschläge Rot, Weiss, Schwarz, Gelb, Gestreift, Silberfarbig-Gebändert, Orangefarbig-Gebändert, Lachsfarbig, Braun-Porzellanfarbig, Gelb-Schwarzcolumbia, Weiss-Schwarzcolumbia, Silber-Schwarzgesäumt, Gelb-Schwarzgesäumt zur Auswahl.

 In vier Gruppen wurden die Richter eingeteilt und jeweils von einem Richter Obmann begleitet.

 Erläuterungen und Ergänzungen der Differenzen vom alten CH-Standard zum neuen EU-Standard.

 Die Grossen Wyandotten

Die Grossen wurden in Amerika erzüchtet und wurden 1883 in Amerika anerkannt.

Der erste Farbenschlag war Silber.

In der Schweiz sind sie seit 1890 aufgeführt.

 Ganz vorab müssen wir festhalten, dass beim ehemaligen CH-Standard und dem EU-Standard bei den Grossen Wyandotten keine wesentlichen Unterschiede festzustellen sind, ausser beim Schwanzabschluss.
Die eigentliche amerikanische Form der Grossen ist weitgehend noch vorhanden.
 Der Gesamteindruck blieb gleich, mittelhoch gestelltes Huhn mit ansteigender Rückenlinie, Rosenkamm dem Nacken folgend, frei von groben Aushöhlungen, fein geperlt , mit gelben Läufen, mässig lang und kräftig.
 Zum Schwanzabschluss früher im CH-Standard kurz breit offen, Steuerfedern breit und steif, dachförmig getragen.
Neu nach EU-Standard Schwanz kurz, breit, hoch getragen, Sicheln beim Hahn mittellang und gut gebogen, Steuerfedern verdeckend, breit und fest.
Bei der Henne ausser dem Geschlechts bedingten Unterschied gleich wie beim Hahn, der Schwanz jedoch unwesentlich flacher als beim Hahn, von hinten gesehen ein mit Flaumfedern gefülltes Hufeisen. Je gefüllter der Schwanz, desto besser der Schwanzabschluss.
Über die Farben und Zeichnungen möchte ich hier nicht weiter eingehen, dies würde zu weit führen. Die Richter Obmänner jedoch nahmen an der Schlussbesprechung kurz Stellung und gaben jeweils dementsprechend ihre Stellungsnahme an uns Richter weiter.

Grobe Fehler

Kurze oder eckige Form, abfallender Rücken, zu flache Schwanzlage, bauschiges Gefieder, keine Schenkelfreiheit.

Die Grossen werden leider bei uns nur noch sehr selten gezüchtet und an Ausstellungen und Klubschauen gezeigt, dies im Gegensatz zu früheren Jahren, daher der Wunsch der Züchter von grossen Wyandotten, dass dies bei der Bewertung berücksichtigt werden sollte.

 

Zu den Zwerg-Wyandotten

 Die Zwerg-Wyandotten stammen aus England, Holland und Deutschland und sind in der Schweiz seit 1920 aufgeführt. Der EU-Standard für die Zwerg-Wyandotten wurde fast ausnahmslos vom früheren Deutschen Standard, wie übrigens auch bei den anderen Rassen Hühner übernommen. 

Bei den Zwergen dürfen wir Wyandotten Züchter mit Freude festhalten, dass unsere Zwerge zu den meist ausgestellten und sehr beliebten Zwerg Hühner mit über zwanzig Farbenschlägen zählen.

Nun möchten wir mit unserer Zucht dazu beitragen, dass diese auch nach dem Zuchtstand und dem Farbenschlag entsprechen einheitlich bewertet würden, das sicher nicht immer gelingen wird. Mir ist es bewusst, dass viele und unbelehrbare Züchter glauben, ihre Tiere seien sowieso die besten oder sie sollten es ihrer Ansicht nach sein.

Da mit dem neuen einheitlichen EU-Standard viele in Deutschland gezüchtete Zwerge oder Bruteier zu uns in die Schweiz kommen, braucht es eine Anpassung in der Auffassung von uns Richter über Grösse und Gewicht.

Nur so können wir erreichen, dass wir an Europa Ausstellungen mit unseren Tieren in anderen Ländern mit deren Züchtern gleichziehen können.

Im Standard ist die Gewichtslimite für den Hahn bei 1300 g, bei der Henne bei 1100 g. In Deutschland aber wird dieses Gewicht meistens um bis ca. 200 g bei Hähnen und Hennen überschritten und dies bei sehr Hochpunktierten Tieren, da sich diese Tiere in der Form sehr gut präsentieren, was verständlich ist.

 Nun müssen wir uns aber ganz klar bewusst sein, dass immer die Gewichtung der Merkmale an erster Stelle steht.

Gesamteindruck: (Form, Grösse, Haltung, Stellung)

Spezifische Rassenmerkmale: (Schenkelfreiheit, Schwanzabschluss, Rosenkamm)

Gefieder: Struktur, Federbreite, Farbe, Zeichnung)

Kopf: (Kehllappen, Augenfarbe, Ohrscheiben, Schnabelfarbe)

Übrige Merkmale.

 Zum Gesamteindruck 

Harmonisch abgerundete Formen und fliessende Linien bei gestrecktem Körperbau, bei mittel hoher und breiter Stellung mit waagerechter Körperhaltung, das wäre unser Zuchtziel. Das Schwanzende möglichst bis Augenhöhe ansteigend.
Hier sollten wir alle den Hebel ansetzen, als Züchter und wir als Richter.
    Viele Tiere sind kurz, es findet kein deutlicher Abstand mehr zwischen Halsbehang und Sattelbehang statt. Der Bauch ist ebenfalls nicht voll entwickelt. Die Rückenlinie sollte gleichmässig hohlrund sein.
Die waagerechte Haltung sollte stimmen. Wenn die Läufe nicht mehr richtig in der Mitte angesetzt sind, zu weit hinten oder vorne, kippen die Tiere meist nach vorn und umgekehrt, so stimmt die Höhe des Schwanzendes, weil er zu hoch oder zu  tief ist, nicht mehr, auch dies ein grober Fehler.
Die Grösse gibt immer wieder zu Diskussionen Anlass. Gut sichtbare Schenkel bedingen auch die dazu gehörende Grösse und dementsprechend auch etwas mehr Gewicht. Tiere ohne Schenkelfreiheit wirken plump, die Unterlinie wie ein Schiff, die Läufe erscheinen kurz. Dies ist ein Mangel.
  
Wir möchten, dass wir Richter ein Augenmerk darauf werfen und dass Tiere mit gut sichtbarer Schenkelfreiheit belohnt werden.
Die Tire mit gut mittelhoher, breiter Stellung sollten deshalb in der Bewertung besser abschneiden, als kurzbeinige Zwerg-Wyandotten.
Zwerge in der unteren Gewichtsklasse und Grösse dürfen wir ohne weiteres auch mal die Bemerkung mächtiger, grösser oder schwerer brauchen.
 

Nun zum Schwanzabschluss
Da haben wir in den letzten Jahren alles gesehen, hervorragend hufeisenförmige, recht schöne und leider auch negative Schwanzabschlüsse.
Die Zwerge sollten von hinten gesehen bis zu den Schultern in etwa gleich breit sein.
   Um dies zu erreichen braucht der Körper einen breiten hufeisenförmigen Schwanz.
Vergleichen wir die Bilder im CH-Standard mit dem EU-Standard so sieht man sehr deutliche Unterschiede. Beim alten CH-Standard ist der Schwanzabschluss V. förmig spitz, beim EU-Standard von hinten gesehen breit, voll, und möglichst bis Augenhöhe ansteigend.
Bei der Anordnung der Steuerfedern ein Hufeisen bildend, von unten nach oben zeigende mit Stützfedern ausgefüllt. Ein exelentes Foto zeigt dies im EU-Standard einer Weiss-Schwarzcolumbia Henne bei den Zwerg-Wyandotten, Seite sieben.
Wie können wir hufeisenförmige Schwänze züchten? Oder noch besser gesagt, wie entsteht die Hufeisenform. Zum Beispiel die Form und die Bänderung inkl. die Stützfedern im Schwanz vererbt hauptsächlich die Henne, hingegen die
die Farbe und die Zeichnung der Hahn. Die Steuerfedern dürfen nicht zu lang und auch nicht zu kurz sein. Aus zu kurzen Steuerfedern entstehen kugelförmige oder abkippende Schwanzpartien, bei zu langen Steuerfedern wirkt der Schwanz spitz. Dies sollte in Zukunft bei der Bewertung noch besser berücksichtigt werden und kugelförmige, abkippende, oder spitze Schwanzpartien sowie zu tiefer Stand ohne Schenkel sollte nur noch als grober Fehler oder Mangel bewertet werden.

Kamm
Hier gibt es Unterschiede in der Betrachtung.
Ein fein geperlter gleichmässig aufsitzender gut gefüllten Rosenkamm wird gefordert, nach hinten verjüngend mit einem runden langen Dorn der der Nackenlinie folgt. Soweit alles klar.
Bei eher gerade auslaufendem Kammdorn zuwenig lang, dann würden wir hoffen, dies mit einem Abzug im sg oder g stehen zu lassen. Diese Bild zeigen meistens Jungtiere, die in den Kopfpunkten noch nicht ausgereift oder noch nicht am legen sind.
Jedoch bei stark abstehendem oder sogar aufwärts oder schräg liegendem Dorn Ende, dies als grober Fehler zu taxieren.
An der abschliessenden gemeinsamen Besprechung erläuterte uns Urs Lochmann, wie dies die Fachtechnische Kommission sieht. Er könnte sich vorstellen, dass die Gewichtslimite bei plus-minus 10 % zu tolerieren sei, was die anwesenden Züchter für sehr gut befanden. Nun hoffe ich, dass im kommenden Ausstellung Jahr viele zufriedene Aussteller und Züchter anzutreffen sind.
Nach meiner Auffassung war dieser Geflügel Richter WK sehr aufschlussreich und wegweisend für unsere Zucht der Wyandotten und Zwerg-Wyandotten für die Zukunft.

An dieser Stelle danke ich meinen Wyandotten Züchterkollegen und Kolleginnen die sich bemüht haben, Tiere nach Sursee zu bringen.
Ich danke für das in mich gesetzte Vertrauen, dass ich diese Interpretationen Euch Kolleginnen und Kollegen unterbreiten durfte. Es gäbe noch vieles zu schreiben. Wir konnten aber an den bereitgestellten Tieren die Unterschiede betrachten und dementsprechend Schlüsse ziehen.

Sursee, 24. April 2010, Anton Meier, Geflügelrichter und Wyandotten-Klub Präsident