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Die Wyandotten und Zwergwyandotten am Geflügel Richter WK vom 24. April in der Kleintieranlage Sursee.

 

Anlässlich des diesjährigen Geflügel-Richter WK viel mir die Ehre zu, die richtige Interpretation und Umsetzung des Europa-Standard meinen Richter Kolleginnen und Kollegen zu unterbreiten.

 

Zur Auswahl standen bei den Grossen die 5 Farbenschläge Weiss-Schwarzcolumbia, Rebhuhnfarbig-Gebändert, Gold-Schwarzgesäumt und Schwarz.

 

Bei den Zwergen die 13 Farbenschläge Rot, Weiss, Schwarz, Gelb, Gestreift, Silberfarbig-Gebändert, Orangefarbig-Gebändert, Lachsfarbig, Braun-Porzellanfarbig, Gelb-Schwarzcolumbia, Weiss-Schwarzcolumbia, Silber-Schwarzgesäumt, Gelb-Schwarzgesäumt zur Auswahl.

 

In vier Gruppen wurden die Richter eingeteilt und jeweils von einem Richter Obmann begleitet.

 

Erläuterungen und Ergänzungen der Differenzen vom alten CH-Standard zum neuen EU-Standard.

 

Die Grossen Wyandotten

 

Die Grossen wurden in Amerika erzüchtet und wurden 1883 in Amerika anerkannt.

Der erste Farbenschlag war Silber.

 

In der Schweiz sind sie seit 1890 aufgeführt.

 

Ganz vorab müssen wir festhalten, dass beim ehemaligen CH-Standard und dem EU-Standard bei den Grossen Wyandotten keine wesentlichen Unterschiede festzustellen sind, ausser beim Schwanzabschluss.

 

Die eigentliche Amerikanische Form der Grossen ist weitgehend noch vorhanden.

 

Der Gesamteindruck blieb gleich, mittelhoch gestelltes Huhn mit ansteigender Rückenlinie, Rosenkamm dem Nacken folgend, frei von groben Aushöhlungen, fein geperlt , mit gelben Läufen, mässig lang und kräftig.

 

Zum Schwanzabschluss früher im CH-Standard kurz breit offen, Steuerfedern breit und steif, dachförmig getragen.

 

Neu nach EU-Standard Schwanz kurz, breit, hoch getragen, Sicheln beim Hahn mittellang und gut gebogen, Steuerfedern verdeckend, breit und fest.

 

Bei der Henne ausser dem Geschlechts bedingten Unterschied gleich wie beim Hahn, der Schwanz jedoch unwesentlich flacher als beim Hahn, von hinten gesehen ein mit Flaumfedern gefülltes Hufeisen. Je gefüllter der Schwanz, desto besser der Schwanzabschluss.

 

Über die Farben und Zeichnungen möchte ich hier nicht weiter eingehen, dies würde zu weit führen. Die Richter Obmänner jedoch nahmen an der Schlussbesprechung kurz Stellung und gaben jeweils dementsprechend ihre Stellungsnahme an uns Richter weiter.

 

Grobe Fehler

Kurze oder eckige Form, abfallender Rücken, zu flache Schwanzlage, bauschiges Gefieder, keine Schenkelfreiheit.

 

Die Grossen werden leider bei uns nur noch sehr selten gezüchtet und an Ausstellungen und Klubschauen gezeigt, dies im Gegensatz zu früheren Jahren, daher der Wunsch der Züchter von grossen Wyandotten, dass dies bei der Bewertung berücksichtigt werden sollte.

 

Zu den Zwerg-Wyandotten

 

Die Zwerg-Wyandotten stammen aus England, Holland und Deutschland und sind in der Schweiz seit 1920 aufgeführt. Der EU-Standard für die Zwerg-Wyandotten wurde fast ausnahmslos vom früheren Deutschen Standard, wie übrigens auch bei den anderen Rassen Hühner übernommen.

 

Bei den Zwergen dürfen wir Wyandotten Züchter mit Freude festhalten, dass unsere Zwerge zu den meist ausgestellten und sehr beliebten Zwerg Hühner mit über zwanzig Farbenschlägen zählen.

 

Nun möchten wir mit unserer Zucht dazu beitragen, dass diese auch nach dem Zuchtstand und dem Farbenschlag entsprechen einheitlich bewertet würden, das sicher nicht immer gelingen wird. Mir ist es bewusst, dass viele und unbelehrbare Züchter glauben, ihre Tiere seien sowieso die besten oder sie sollten es ihrer Ansicht nach sein.

 

Da mit dem neuen einheitlichen EU-Standard viele in Deutschland gezüchtete Zwerge oder Bruteier zu uns in die Schweiz kommen, braucht es eine Anpassung in der Auffassung von uns Richter über Grösse und Gewicht.

 

Nur so können wir erreichen, dass wir an Europa Ausstellungen mit unseren Tieren in anderen Ländern mit deren Züchtern gleichziehen können.

 

Im Standard ist die Gewichtslimite für den Hahn bei 1300 g, bei der Henne bei 1100 g. In Deutschland aber wird dieses Gewicht meistens um bis ca. 200 g bei Hähnen und Hennen überschritten und dies bei sehr Hochpunktierten Tieren, da sich diese Tiere in der Form sehr gut präsentieren, was verständlich ist.

 

Nun müssen wir uns aber ganz klar bewusst sein, dass immer die Gewichtung der Merkmale an erster Stelle steht.

 

Gesamteindruck: (Form, Grösse, Haltung, Stellung)

Spezifische Rassenmerkmale: (Schenkelfreiheit, Schwanzabschluss, Rosenkamm)

Gefieder: Struktur, Federbreite, Farbe, Zeichnung)

Kopf: (Kehllappen, Augenfarbe, Ohrscheiben, Schnabelfarbe)

Übrige Merkmale.

 

 

Zum Gesamteindruck

 

Harmonisch abgerundete Formen und fliessende Linien bei gestrecktem Körperbau, bei mittel hoher und breiter Stellung mit waagerechter Körperhaltung, das wäre unser Zuchtziel. Das Schwanzende möglichst bis Augenhöhe ansteigend.

 

Hier sollten wir alle den Hebel ansetzen, als Züchter und wir als Richter.

 

Viele Tiere sind kurz, es findet keinen deutlichen Abstand mehr zwischen Halsbehang und Sattelbehang statt. Der Bauch ist ebenfalls nicht voll entwickelt. Die Rückenlinie sollte gleichmässig hohlrund sein.

 

Die waagerechte Haltung sollte stimmen. Wenn die Läufe nicht mehr richtig in der Mitte angesetzt sind, zu weit hinten oder vorne, kippen sie meistens nach vorn und umgekehrt, so stimmt die Höhe des Schwanzendes, weil er zu hoch oder zu  tief ist, nicht mehr, auch dies ein grober Fehler.

 

Die Grösse gibt immer wieder zu Diskussionen Anlass. Gut sichtbare Schenkel bedingen auch die dazu gehörende Grösse und dementsprechend auch etwas mehr Gewicht. Tiere ohne Schenkelfreiheit wirken plump, die Unterlinie wie ein Schiff, die Läufe erscheinen kurz. Dies ist ein Mangel.

 

Wir möchten, dass wir Richter ein Augenmerk darauf werfen und dass Tiere mit gut sichtbarer Schenkelfreiheit belohnt werden.

 

Die gut mittel hohe breite Stellung sollte deshalb in der Bewertung besser abschneiden, als kurzbeinige Zwerg-Wyandotten.

 

Zwerge an der unteren Gewichtsklasse und Grösse dürfen wir ohne weiteres auch mal die Bemerkung mächtiger, grösser oder schwerer brauchen.

 

Nun zum Schwanzabschluss

 

Da haben wir in den letzten Jahren alles gesehen, hervorragend hufeisenförmige, recht schöne und leider auch negative Schwanzabschlüsse.

 

Die Zwerge sollten von hinten gesehen bis zu den Schultern in etwa gleich breit sein.

Um dies zu erreichen braucht der Körper einen breiten hufeisenförmigen Schwanz.

 

Vergleichen wir die Bilder im CH-Standard mit dem EU-Standard so sieht man sehr deutliche Unterschiede. Beim alten CH-Standard ist der Schwanzabschluss V. förmig spitz, beim EU-Standard von hinten gesehen breit, voll, und möglichst bis Augenhöhe ansteigend.

 

Bei der Anordnung der Steuerfedern ein Hufeisen bildend, von unten nach oben zeigende mit Stützfedern ausgefüllt. Ein exelentes Foto zeigt dies im EU-Standard einer Weiss-Schwarzcolumbia Henne bei den Zwerg-Wyandotten, Seite sieben.

 

Wie können wir hufeisenförmige Schwänze züchten? Oder noch besser gesagt, wie entsteht die Hufeisenform. Zum Beispiel die Form und die Bänderung inkl. die Stützfedern im Schwanz vererbt hauptsächlich die Henne, hingegen die die Farbe und die Zeichnung der Hahn. Die Steuerfedern dürfen nicht zu lang und auch nicht zu kurz sein. Aus zu kurzen Steuerfedern entstehen kugelförmige oder abkippende Schwanzpartien, bei zu langen Steuerfedern wirkt der Schwanz spitz. Dies sollte in Zukunft bei der Bewertung noch besser berücksichtigt werden und kugelförmige, abkippende, oder spitze Schwanzpartien sowie zu tiefer Stand ohne Schenkel sollte nur noch als grober Fehler oder Mangel bewertet werden.

 

Kamm

 

Hier gibt es Unterschiede in der Betrachtung. Ein fein geperlter gleichmässig aufsitzender gut gefüllten Rosenkamm wird gefordert, nach hinten verjüngend mit einem runden langen Dorn der der Nackenlinie folgt. Soweit alles klar.

 

Bei eher gerade auslaufendem Kammdorn zuwenig lang, dann würden wir hoffen, dies mit einem Abzug im sg oder g stehen zu lassen. Diese Bild zeigen meistens Jungtiere, die in den Kopfpunkten noch nicht ausgereift oder noch nicht am legen sind.

 

Jedoch bei stark abstehendem oder sogar aufwärz oder schräg liegendem Dorn Ende, dies als grober Fehler zu taxieren.

 

An der abschliessenden gemeinsamen Besprechung erläuterte uns Urs Lochmann, wie dies die Fachtechnische Kommission sieht. Er könnte sich vorstellen, dass die Gewichtslimite bei plus-minus 10 % zu tolerieren sei, was die anwesenden Züchter für sehr gut befanden. Nun hoffe ich, dass im kommenden Ausstellung Jahr viele zufriedene Aussteller und Züchter anzutreffen sind.

 

Nach meiner Auffassung war dieser Geflügel Richter WK sehr Aufschluss reich und wegweisend für unsere Zucht der Wyandotten und Zwerg-Wyandotten für die Zukunft.

 

An dieser Stelle danke ich meinen Wyandotten Züchterkollegen und Kolleginnen die sich bemüht haben, Tiere nach Sursee zu bringen.

 

Ich danke für das in mir gesetzte Vertrauen, dass ich diese Interpretationen euch Kolleginnen und Kollegen unterbreiten durfte. Es gäbe noch vieles zu schreiben. Wir konnten aber an den bereitgestellten Tieren die Unterschiede betrachten und dementsprechend Schlüsse ziehen.

 

Sursee, 24. April 2010, Anton Meier, Geflügelrichter und Wyandotten-Klub Präsident